15 Jahre danach – Niemand wird vergessen!

Erinnern heisst handeln – für Klaus, für Eckard, für alle

Ein gemeinsamer Aufruf von:

  • Uni ohne Nazis Greifswald
  • Greifswald für alle
  • Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt! 
  • ver.di Jugend Neubrandenburg-Greifswald 
  • Arbeitskreis kritischer Juristinnen Greifswald (AkJ)
  • Solidarische Universität Greifswald (SoliUni)
  • verquer. Vielfältige Bildung in Vorpommern
  • Fleischervorstadt-Blog
  • Defiant
  • Greifswald nazifrei
  • Willkommen in Greifswald
  • Solidarisches Greifswald
  • sowie parteilichen UnterstützerInnen von Hochulpiraten Greifswald und Piraten Greifswald, Jusos Vorpommern-Greifswald, Alternative Liste AL für Vorpommern und Greifswald, und Linksjugend.SDS

 

Erinnern und Weiterdenken

In der Vergangenheit bemühten sich zahlreiche Menschen in Form von Schweigeminuten und Gedenkkundgebungen um ein würdiges Gedenken an Klaus-Dieter Gerecke und Eckard Rütz.

Wir standen am 24. Juni 2015 an dem Gedenkstein von Klaus, auf der „Zum Gedenken und Nachdenken” steht, 15 Jahre nach der grauenhaften Tat vor dem damaligen Haus in der Gützkower Straße.

Wir gedachten Klaus und fingen an nachzudenken, über Menschen, die von einem Großteil der Gesellschaft und dem Staat im Stich gelassen wurden und immer noch werden.

Nur fünf Monate nach der furchtbaren Tat an Klaus-Dieter, in der Nacht vom 24. zum 25. November 2000, wird ein zweiter Obdachloser in Greifswald, Eckhard Rütz, an der Mensa am Schießwall ebenfalls von Neonazis zu Tode geprügelt. “Wir wollten ihm nur eine Lektion erteilen, dabei haben wir ihn leider totgehauen” waren die Worte der Angeklagten vor Gericht. Auch er galt den Tätern als “asozial” und “minderwertig”, der dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche gelegen habe.

 

Die Ausgrenzung von sozial-benachteiligten Menschen hat ein System

 

Obdachlose sind eine der schwächsten Gruppen in der Gesellschaft und erfahren ständig Bedrohung durch neonazistische Gewalt.  Der Grund hierfür liegt in der sozial-darwinistischen Einstellung, die in der rechten Szene vorherrscht: Wohnungslose Menschen gelten als „asozial“ und „minderwertig“. Der ideologische Kontext der Täter darf gerade bei einer tödlichen Attacke auf diese Opfergruppe nicht ignoriert werden, begründet sich doch in ihrer rechten Gesinnung die exzessive Gewalt gegen sozial benachteiligte Menschen.

Klaus-Dieter Gerecke ist eines von vielen Todesopfern rechter Gewalt, welches bis heute nicht in der offiziellen Statistik für Politisch Motivierte Kriminalität (PMK) dem rechten Spektrum zugeordnet wurde. Insgesamt sind seit 1990 184 Menschen Opfer rechter Gewalt geworden, sei es aufgrund ihrer sozialen Stellung (u.a. obdachlos, arbeitssuchend), ihres Aussehens, Glaubens oder ihrer sexuellen Orientierung. Obdachlose werden zum größten Teil von der Gesellschaft und dem Staat, in seiner nach außen hin immer angepriesenen selbst-bezeichneten “sozialen Verantwortung”, allein gelassen. Sie werden am Rande der Gesellschaft nur schwerlich von dieser wahrgenommen. Sie leben und schlafen immer an verschiedenen Orten. Ob Sommer oder Winter, jeder Tag ist ein Überlebenskampf. Die Wenigsten nehmen sich die Zeit, um mit ihnen zu reden oder ihnen behilflich zu sein, stattdessen geht man tagtäglich an ihnen vorbei, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Es gibt nur wenig soziale Bereitschaft und Engagement für die vielen bedürftigen Obdachlosen. Bis 2016 wird die Zahl derer, die keine Wohnung haben und auf der Straße leben, schätzungsweise auf 380.000 ansteigen. Davon sind ungefähr 30.000 Kinder betroffen.

 

Rechter Zeitgeist, damals wie heute

 

Menschenverachtende, patriotische und neonazistische Bewegungen nutzen die aktuell steigende Zahl an Geflüchteten für ihre Zwecke aus. Diejenigen, die andere Menschen aufgrund ihrer sozialen Stellung und Hilfslosigkeit systematisch und ideologisch ausgegrenzt haben, versuchen nun im Zuge der Flüchtlingssituation auf die Thematik der „deutschen Obdachlosigkeit“ aufmerksam zu machen. Weder ein Obdach noch irgendwelche sonstigen Hilfen kommen dabei den abertausenden Betroffenen zugute. Es ist ein nationales Opferbild, was diese sozial-benachteiligten Menschen für sie darstellen, und keineswegs ein menschliches. Aufgrund der aktuellen Geflüchtetensituation nutzen solche geistigen Brandstifter die Not der vielen deutschen Obdach- und Arbeitslosen für ihre eigenen nationalen, rassistischen und neonazistischen Interessen aus, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Auch wenn sich solche Bewegungen immer wieder gegen jede Art von „Rechts“ aussprechen, stellen sie als patriotische, scheinbar nur „volksnahe“ Bewegung genau jenen rechten Zeitgeist dar, der nach der Wende andersdenkende, andersaussehende und anderslebende Menschen stigmatisiert, ausgegrenzt, verletzt und getötet hat. Sie suchen sich eine andere Gruppe in der Gesellschaft, die leichter angreifbar und noch hilfsloser dasteht. Mit nationalen Argumenten und falschen Fakten werden systematisch die Leute für diese Zwecke instrumentalisiert.  Es wird sich der bestehenden Vorurteilen, Ängsten und stumpfen Parolen bedient, um diese dann für weitere Zwecke ausnutzen. Wieder werden Menschen ausgegrenzt und durch geistige Brandstifter in Lebensgefahr gebracht.

 

15 Jahre danach – morgen um 17 Uhr werden wir vor der Mensa  am Schießwall Eckard Rütz gedenken.

Gleichzeitig müssen wir anfangen nachzudenken und zu handeln. Im Jahr 2015 werden immer noch Menschen wie Klaus, Eckard und Amadeu Antonio in unserer Gesellschaft ausgegrenzt und ermordert. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Neonazis sowie die geistigen Brandstifter in unserer Gesellschaft ihr menschenverachtendes Treiben fortsetzen und der Staat sozial-benachteiligte Menschen systematisch ausgrenzen lässt. Antifaschistische Arbeit bleibt heute mehr denn je notwendig.

Es ist dafür zu sorgen, eine aktive Willkommenskultur  für alle sozial-benachteiligten Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen, egal welcher Herkunft, zu schaffen und politischen Druck gegen rechte Bestrebungen und staatliches Versagen auszuüben.

 

Niemand wird vergessen – Hiç unutmadık!

 

 

 

 

 

 

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